Unterschiedliche fußballspezifische Belastungen
Gerhard Bauer:
Über die Entwicklung und den derzeitigen Stand zu Trainingsmethoden

 

        

  

Weismain  -  Fußball goes Uni – oder wie kommt man dem Massen-Phänomen Fußball auf die Schliche?  Unter dieser Prämisse stand der jüngste Fortbildungsabend der Fußballtrainer Oberfrankens (GFT) auf dem Sportgelände des FC Obermain, den die Rekordkulisse von fast 150 lizenzierte Trainer und Betreuer/innen verfolgten. Gerhard Bauer, ehedem Dozent an der Technischen Uni in München, Buchautor, und selbst Trainer, verbannte auf der Basis empirischer Erkenntnisse so manche veraltete Trainingsmethode aus dem Programm seiner Zuhörer.

 

Doch eins vorneweg: Folgen die Mannschaftsbetreuer Bauers Empfehlungen steht auf der Liste der Weihnachtsgeschenke für alle Spieler heuer kein Trainingsanzug oder ein Badetuch, sondern ein Pulsuhr.  Eine solche hatten die B-Jugendspieler des FC Eintracht Bamberg bei er Praxisvorführung umgeschnallt bekommen, als es im Vergleich um der Grundlagenausdauer im Labor und auf dem Platz ging, wie  Bauer in einer wissenschaftlichen Präsentation im Theorieteil im FCO-Sportheim ausführlich erläuterte.  Zunächst wurde die maximale Pulsfrequenz der  Schützlinge von Christian Musik ermittelt, danach zeigte Bauer, wie die Probanten selbst mit einfachen Übungen schon in den Intensivbereich gelangen.  Und eine Sache spielt dabei stets mit: der Ball. „Es muss aus den Köpfen aller Trainer raus, dass man mit dem Drehen von Runden rings um den Sportplatz die Ausdauer verbessert. Das ist verlorene Zeit.  Das geht mit Übungen mit dem Ball viel besser. Alles, was mit dem Ball gemacht wird, wirkt intensiver.“ Und die Pulsfrequenz-Messungen untermauerten diese These.

Die Laufstrecken im Fußball hätten sich im Verlauf der letzten Jahrzehnte um 200 Prozent erhöht, wusste der Experte, wobei die Strecken, die im Maximaltempo zurückgelegt werden, immer länger werden. Als eine besonders geeignete Spielform, um die notwendige Ausdauer zu trainieren, legte Bauer den vielen Zuhörern 4:4-Systeme ans Herz. Und auch Technik-Parcours, bei denen sich intensive und extensive Intervalle ablösen, lohnende Pausen garantieren. „Bei einem gscheiten Fußballtraining gibt es keine Pause, die Spieler sind immer in Bewegung – damit arbeiten wir im konditionellen Bereich.“
 

 

  


GFT-Vorsitzender Heinz Eger (Hallstadt) schwärmte von einer „Fortbildung der anderen Art“. Der Name Bauer ziehe halt noch immer, weil es sich um „keinen versponnenen Universitätler“ handele. Zwar komme Bauer aus der Welt der Wissenschaft, nehme aber immer wieder den Faden zur Praxis auf.

Im Theorieteil gab Bauer noch einen historischen Abriss über die Trainingsschwerpunkte unter den unterschiedlichen Bundestrainern, wobei  er Sepp Herberger als „seiner Zeit voraus“ betitelte. Die Laufwege hätten sich mittlerweile auf Strecke zwischen zehn und 14 Kilometer erhöht, wobei der Anteil an größeren Sprintstrecken stetig steige. Das erfordere schnelle Regeneration. „Ein noch so guter Marathonläufer ist nach einem Fußballspiel fix und fertig.“

Auch wenn viele Betreuer nicht auf all die technischen Möglichkeiten eines Bundesliga-Trainerstabes zurückgreifen könnten, sei ein geschultes Trainerauge wichtig. „Den Ruhepuls kann man immer messen.“ Und: „Bei einem Puls von 180 trainieren wir an der Schwelle.“
 

Und noch einen Tipp gab der Oberbayer: „Passen Sie während der Pubertät auf die Grossaufgeschossenen auf. Deren Herz-/Kreislaufsystem ist noch nicht so stabil.“

 

Im Anschluss ernannte Eger im Namen der GFT-Vorstandschaft Rudolf Frank zum Ehrenmitglied. Seit 1973 sei er Mitglied und seit 1986 GFT-Geschäftsführer gewesen. „Ein unermüdlicher Mitarbeiter.“ Von 1998 habe er die GFT-Homepage aufgebaut, die „beste und gepflegteste in Bayern“, Auch nach seinem Ausscheiden aus der GFT-Vorstandschaft fungiere er weiterhin als Webmaster.

 

 

von Ralf Kestel

 

   

Nachwuchsförderung im Blickpunkt

Frank Engel informiert oberfränkische Fußballübungsleiter und DFB- Stützpunkttrainer über altersgerechte Ausbildungsformen und modernen Tempofußball

 


„Der Deutsche Fußball-Bund räumt der Ausbildung der Talente höchste Priorität ein“ - dies betonte Frank Engel, sportlicher Leiter der DFB-Nachwuchsförderung, vor mehr als 120 lizenzierten Trainern in Hallstadt. Ziel des größten Sportverbandes der Welt sei es schließlich, an der Weltspitze mitzuspielen. Der erfahrene Coach sprach sich bei der Fortbildungsveran-staltung der „Gemeinschaft der Fußballtrainer Oberfranken (GFT)“, die im Verbund mit der DFB-Stützpunkttrainertagung Nordbayerns durchgeführt wurde, für eine enge Verzahnung von Vereinsarbeit und überregionaler Nachwuchsförderung aus.

 

 

Juniorenfußballer, die sich in den Vereinen und bei Sichtungsveranstaltungen empfehlen, erhalten derzeit laut Engel in einem von bundesweit 366 DFB-Stützpunkten eine zusätzliche intensivere Ausbildung. In Oberfranken gibt es nach den Worten des nordbayerischen DFB-Talentkoordinators Udo Hagen acht dieser Talentschmieden: und zwar in Bayreuth, Coburg, Forchheim,   Höchstadt/A, Hof (NLZ), Hollfeld, Hummendorf, Kulmbach,Walsdorf bei Bamberg.

 

Die besten Stützpunktspieler haben die Chance, sich in Auswahlteams zu spielen und schließlich in der Sichtung zur U15-Nationalmannschaft zu landen. Deren Cheftrainer ist ebenfalls Frank Engel, der in seiner Laufbahn bislang bei 478 Ligaspielen und 250 Länderspielen auf der Trainerbank saß. Der Experte, einer der engsten Mitarbeiter von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, erläuterte den anwesenden Lizenzinhabern (darunter viele ehemalige Fußballprofis, Landesauswahl- und Stützpunkttrainer), dass fußballerisches Können der Nachwuchsspieler alleine nicht ausreiche, um später einmal den Sprung in den Profibereich oder sogar ins Nationaltrikot zu schaffen. Als Erfolgsfaktoren nannte der Referent auch Intelligenz, Selbstbewusstsein, Disziplin, Konstanz, Teamgeist und eine gewisse Siegermentalität.

 

Die Vereine, die eine gute sportliche Heimat für Kinder und Jugendliche seien, und der Verband könnten aktiv dazu beitragen, dass sich die Spieler zu einer starken Gesamtpersönlichkeit entwickeln. Die DFB-Nachwuchsförderung intensiviert deshalb die Kooperation mit Kindergärten und Schulen. In der Bundesrepublik gibt es laut Engel 28 Eliteschulen des Fußballs; eine davon befindet sich in Nürnberg. Sportliche und schulische Belange würden hier optimal aufeinander abgestimmt, so dass die nötigen Freiräume für den Leistungsfußball geschaffen werden könnten. Für den Raum Oberfranken sieht Engel die Installation von einigen Partnerschulen als geeignete Möglichkeit, um dem lebendigen Fußballsport vor Ort in den Vereinen und Stützpunkten zusätzliche Impulse zu verleihen.

 

„Die Basis für die Fußballkarriere der Spieler legen jedoch vor allem Sie, die Trainer in den Vereinen“, bescheinigte Engel seinen Kollegen, denen er altersgerechte Ausbildungsformen präsentierte. Bis zum Alter von 8-9 Jahren komme es vor allem darauf an, den Kindern die Freude an der Bewegung, am Fußball zu vermitteln, auf Vielseitigkeit zu achten und das Interesse am regelmäßigen Sporttreiben auszuprägen. Besonders wichtig sei der Zeitraum bis zum 15. Lebensjahr. „In diesem besten motorischen Lernalter müssen die fußballspezifischen Grundlagen und die Technik ausgebildet werden.“ Bis zum 18. Lebensjahr sollten dann verstärkt Taktik und Zweikampfverhalten  vermittelt werden und die Bedeutung der Fitness zunehmen, ehe der sensible Übergang in die Männermannschaften erfolge.

 



Gerade in diesem Fußballalter lohne es sich, in die individuelle Betreuung der jungen Erwachsenen zu investieren und diesen das Vertrauen zu schenken. In diesem Zusammenhang freut es Frank Engel besonders, dass Spieler wie Holger Badstuber, Thomas Müller, Marko Marin, Mesut Özil oder Toni Kroos bereits in jungen Jahren in der Bundesliga für Furore sorgen würden.

 

 


Da auch die Spieler – einige Klassen tiefer – in ihren oberfränkischen Vereinen für Furore sorgen sollen, präsentierte Frank Engel für die „Gemeinschaft der Fußballtrainer“ in Hallstadt zunächst mit Unterstützung der Bayernligajugend des FC Eintracht Bamberg innovative praktische Übungen. Daran schloss sich eine theoretische Schulung zum modernen Tempofußball an, der von Druck, schnellem Flachpassspiel und wenigen individuellen Ballkontakten geprägt ist. „Der begnadete Torjäger Gerd Müller hatte früher noch mehr Platz im Strafraum. Heute drängen sich die Spieler hier förmlich“, bilanzierte Engel, dem der stellvertretende GFT-Vorsitzende Udo Hagen für die Weitergabe seines außergewöhnlichen Fußballwissens an die in rekordverdächtiger Zahl erschienenen oberfränkischen Trainer dankte. Hagen kündigte an, dass die Reihe hochkarätiger Fortbildungsmaßnahmen fortgesetzt werden solle. Bewährt habe sich auch die erstmals durchgeführte Verbundausbildung von Vereins- und DFB-Stützpunkttrainern, die die Gelegenheit auch zum umfassenden Erfahrungsaustausch genutzt hätten. 

Geschäftsführer Hubert Richter informierte ebenfalls über organisatorische Punkte der GFT Oberfranken. Eine insgesamt gelungene Veranstaltung für die Fußballtrainer Frankens.